Referat Hochschule Rapperswil, 1. Oktober 1999
Verantwortung in einer virtuellen Welt
Die Welt ist ein Dorf geworden. Zumindest wenn wir der Metapher
glauben, welche Marshal McLuhan in den sechziger Jahren in die
Welt gesetzt hat, die Metapher vom «globalen Dorf», gebaut aus
elektronischen Netzwerken, «in dem augenblickliche Information
tiefgehende Anteilnahme schafft.» Solch «tiefgehende Anteilnahme»,
wie McLuhan schreibt, würde bedeuten: Wer im globalen Dorf lebt,
fühlt sich für seine Mitbewohner verantwortlich. Tatsächlich haben
wir in den dreissig Jahren, seit McLuhan das globale Dorf erfunden
hat, den Zustand «augenblicklicher Information» erreicht, wir
leben in einer Informationsgesellschaft. Doch ob die gegenseitige
Anteilnahme der Bürger dieser Gesellschaft gewachsen ist, möchte
ich zumindest in Frage stellen.
Das reale Dorf
Wenn ich die Metapher vom globalen Dorf höre, kommt mir das reale
Dorf in den Sinn, in dem ich aufgewachsen bin – nicht weit von
hier. Eine einfache Welt: Da lebten Bauern in den Gehöften auf
den Hügeln rundum, Arbeiterfamilien in den Kosthäusern bei der
Fabrik und in der Mitte des Dorfes stand die Villa des Unternehmers,
der zugleich Besitzer, Betriebsleiter und Gemeinderat war. Die
Verantwortlichkeit in diesem Mikrokosmos war klar geregelt. Ich
habe das einmal so beschrieben: «Ihm gehörte die Fabrik, ihm gehörte
alles. Auch wir gehörten ihm. Ihm habe ich die Verantwortung (für
den Tod meiner Mutter) in die Schuhe geschoben, weil er für alles,
was im Dorf vorging, letztlich verantwortlich war.» Wenn wir von
Verantwortung der Unternehmer sprechen, haben wir oft noch diese
frühkapitalistische Bild im Kopf vom Unternehmer als einem kleinen
Herrscher, König und Gott über seinem Reich. Denn es wäre bequem,
wenn sich auch heute noch für die Verantwortung ein paar Schuhe
finden würden, in die man sie schieben kann.
Weite und Nähe
In der Metapher vom globalen Dorf schwingt eine nostalgische Sehnsucht
nach der verlorenen Nähe, nach dem Mitgefühl und der Mitverantwortung,
welche das reale Dorf verkörperte. Das globale Dorf ist jedoch
eine fragwürdige Konstruktion. Einerseits möchten wir aus der
Enge des Dorfes ausbrechen, wir möchten augenblicklich überall
sein auf der Welt, alles wissen und alles sehen. Anderseits möchten
wir den übersichtlichen Lebensraum, die Nähe, die einfachen Strukturen,
die Identität nicht verlieren. Wir möchten wissen, was oben und
unten ist. Wer die Verantwortung trägt, wer befiehlt und wer ausführt
– und wer geköpft wird, wenn etwas schief läuft.
Die moderne Medienwelt deckt dieses Bedürfnis scheinbar nahtlos.
Internet liefert uns Datenströme ins Haus und verbindet uns sekundenschnell
mit unseren Partnern allüberall. Fernsehstationen und Printmedien
servieren uns den globalen Dorfklatsch, den wir so lieben: Die
Gesichter von Diana und Charles, Bill und Monika sind uns so vertraut,
ihre Geschichten und Skandale so geläufig, als seien sie Nachbarn.
Mit meinem Freund Hai aus Ho-Chi-Minh City tausche ich via Internet
den neuesten Klatsch über Martina Hingis aus, und mit Alan, einem
Banker aus Boston, maile ich übers Bergsteigen. Die moderne Medienmaschine
produziert also Weite und die Nähe zugleich. Dazu schreibt der
amerikanische Autor Theodere Roszak in seinem Buch «Der Verlust
des Denkens»: «Wir leben in einer Welt, in der elektronische Bilder
und Simulationen die wichtigeren, widerspenstigen Tatsachen des
Lebens aus dem Bewusstsein der Menschen verdrängen. In unserem
Streben nach Ordnung in einer unüberschaubaren Welt nehmen wir
Zuflucht zu Tabellenkalkulationen, Kriegsspielen, Wirtschaftsprognosen,
globalen Modellierungen und Wahlvoraussagen».
Cyberspace
Unser Bild der Welt, in das wir mit informationstechnischen Mitteln
Ordnung zu bringen versuchen, ist also ein von einer Informationsindustrie
produziertes Bild – es ist nicht die Welt selber. Ich nenne diese
elektronische Informationswolke, die über der Erde schwebt wie
dichter Nebel, die «virtuelle Welt». William Mitchell, Autor des
Buchs «City of Bits», nennt sie «Cyberspace»: «Eine entwurzelte
Stadt, die nirgendwo auf der Oberfläche der Erde ihren Ort hat,
… bewohnt von körperlosen und fragmentierten Subjekten, die
nur als Vertreter des Echten existieren.» Das globale Dorf hat
also nichts Materielles an sich, es ist gebaut aus elektronischen
Signalen, aus Bit und Byte, nachgebildet den Dörfern, die Fürst
Potemkin errichten liess, um der Zarin Katharina II den Wohlstand
des Landes vorzutäuschen. Wenn heute Unternehmen fusionieren,
wird eilig ein neues Erscheinungsbild ausgearbeitet – die Fassade
im globalen potemkinschen Dorf. PR und Medienarbeit, also die
Produktion von Information und Fiktion, ist zu einem der wichtigsten
Pfeiler moderner Unternehmenskultur geworden. Ein Unternehmen
ohne Homepage wird kaum mehr wahr oder ernst genommen.
Unternehmerbild – einst und jetzt
Im Dorf meiner Jugend gab es noch keine Bildschirme. Der Unternehmer
war ein Mensch aus Fleisch und Blut, eine starke Erscheinung wenn
er auf den Balkon seiner Villa trat, liebenswürdig, wenn er Weihnachtsgeschenke
verteilte, hart und unerbittlich, wenn er Arbeiter entliess. Er
brauchte kein Erscheinungsbild. Die Fabriktüren standen offen,
selbst wir Kinder konnten uns im Maschinensaal ein Bild der Realität
machen. Die Verantwortung hatte einen Namen, eine Adresse und
ein Gesicht. Heutige Unternehmer machen kaum mehr ihre Privatdresse
öffentlich, ihr Name und ihre Natelnummer steht nicht mehr Telefonbuch
– ausser es geschehe eine Panne wie kürzlich, als ein Internet-Telefonverzeichnis
wegen einem Softwarefehler die Geheimadressen von prominenten
Schweizern veröffentlichte. Was wir sonst wissen über die Verantwortlichen
der Wirtschaft, ihr Gesicht und das Bild, das wir uns von ihnen
machen, entstammt zu 99 Prozent den Medien, die sich wiederum
weitgehend auf PR-Agenturen und Pressestellen stützen. Wofür wer
verantwortlich ist oder nicht, erklären uns NZZ, Cash, Facts,
Bilanz, 10 vor 10 und der Kassensturz. Gelegentlich erfahren wir
so, wer wieviel verdient und ob er oder sie überhaupt Steuern
zahlt. Die Entrüstung ist meist von kurzer Dauer. Denn heute suchen
wir die gesellschaftliche Verantwortung oft gar nicht bei den
wirtschaftlich Mächtigen, sondern bei den «Überbringern der schlechten
Nachrichten». So meinte Finanzminister Kaspar Villiger in einem
Referat an der Generalversammlung der NZZ zum Thema «Verantwortung
– Preis der Freiheit»: «Die Wirtschaft wird vom Wettbewerb kontrolliert
und gebändigt. Die Politiker werden von Wählern und den Medien
kontrolliert. Die Medien von niemandem. Umso wichtiger ist auch
für sie das Prinzip der Verantwortung.» Das heisst mit andern
Worten: Die Medien tragen Verantwortung, die Wirtschaft schaut
schon selber zum Rechten.
Börsen- oder Wetterbericht?
Ob die Medien nun gut sind oder böse: Sicher ist, dass sie unser
Bild der Welt weit mehr prägen als die Welt selber. Worüber wir
uns auch immer informieren wollen, wir schalten einen Bildschirm
ein. Und halten die Bilder, die wir da sehen – bei aller kritischen
Distanz – für die Wirklichkeit. Gleichgültig ob es um Wirtschaft,
Krieg oder um Politik geht. Früher sprach man vom Wetter, heute
vom Auftritt von Jörg Kachelmann. Steigen auf dem Bildschirm die
Börsenkurse einer Firma, so glauben wir, dem Unternehmen stehe
eine goldene Zukunft ins Haus und kaufen Aktien. Auch wenn es
hie und da vorkommt, dass bewusst ins Internet gestreute Falschmeldungen
über Unternehmen die Kurse in die Höhe schnellen lassen – selbst
von Unternehmen, die es gar nicht gibt. Auf dem Bildschirm verschwimmen
die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Der Berliner Publizistikprofessor
Stephan Russ-Mohl schreibt in der NZZ: «Die vielzitierte Informationsgesellschaft
… droht, sich zu einer vergnügung- und unterhaltungssüchtigen
Gesellschaft zu wandeln, in der Hinz und Kunz über das Fernsehen
und im Internet miteinander und aneinander vorbei kommunizieren.
Wir laufen Gefahr, in den täglichen Nachrichtenfluten zu ertrinken.
Die Grenzen zwischen Journalismus, Infotainment und schierem Geschwätz
sind immer schwerer zu ziehen.» Theodore Roszak hat die Metapher
von den «Sandstürmen der Information» geprägt, die unsere Sinne
betäuben und unsern Blick vernebeln.
Im Sandsturm der Information
Doch nicht nur Hinz und Kunz lassen sich vom globalen Sandsturm
der Information blenden. Auch die Verantwortlichen der Wirtschaft,
wer immer sie sind, erliegen der Fiktion, dass der Börsenkurs
eines Unternehmens seine reales Wirtschaftspotential widerspiegle.
Dabei haben sich die Kapitalströme längst von den realen Unternehmen
abgekoppelt, sind Teil der virtuellen Welt geworden. Die Investitionen
fliessen dank moderner Datentechnik sekundenschnell dorthin, wo
auf dem Bildschirm steigende Kurse schnellen Gewinn versprechen.
Mein Freund Hai, als Business Man in Vietnam und Japan tätig,
sagte mir, die Fehlinvestitionen im fernen Osten seien vor Ort
längst augenfällig gewesen, als die westlichen Banken noch immer
Kapital in die Blase der «Bubble Economy» pumpten, bis sie im
letzten Jahr platzte. Geschädigt wurden Millionen kleiner Anleger
– doch es ist nicht bekannt, wer zur Verantwortung gezogen wurde.
Mathias Cabiallavetta vielleicht, der über die Klinge springen
musste, beglückt mit einer schönen Abfindung und einem neuen Superjob
in einem andern Winkel des globalen Dorfes?
Wer erinnert sich noch? Kaum jemand. Die virtuelle Welt produziert
und projiziert mit derartiger Geschwindigkeit neue Informationen
und Bilder, dass schon die Frage, wem welches Unternehmen im Augenblick
gehört, kaum mehr zu beantworten ist, geschweige denn die Frage,
wer die Verantwortung trägt. Wie war das noch mit Alusuisse?
Wofür ist den eigentlich Martin Ebner verantwortlich, der über
Nacht vom Finanzexperten und Banker zum Unternehmer mutierte,
in der Führung traditionsreicher Schweizer Industrien sitzt, von
deren Technologie er wenig versteht und in deren Werkstätten er
kaum je einen Fuss setzt? Versteht er das Unternehmen als Geldmaschine,
als Produktionsstätte für lebenswichtige Güter oder als Lebenswelt
für Angestellte und Arbeiter? Der dilettierende Industrielle sagt
zwar: «Nur Dilettanten verstehen unter dem Shareholder Value kurzfristige
Gewinnmaximierung.» Doch die Meinungen sind da geteilt. Genauso
wie die Meinungen einst bezüglich Werner K. Rey geteilt waren,
der genial die Instrumente der Täuschung und Verschleierung beherrschte,
welche die virtuelle Welt bietet, als Unternehmer neuen Typs gefeiert
wurde, bevor seine potemkinschen Unternehmen einstürzten.
Globlale Beschleunigung
Die virtuelle Welt ist schnell. Denn «in der Informationstechnologie
gewinnt nur, wer schneller ist», stellt die amerikanische Professorin
AnnaLee Saxenian fest. Zwangsläufig muss es also, wie im Sport,
wenige Gewinner und viele Verlierer geben. Wirklich beschleunigen
lassen sich jedoch nur noch Informationen, also alles, was sich
in elektronische Signale fassen lässt: Daten, Texte, Bilder, Finanztransaktionen,
Software. Die reale Welt, die Natur, der Mensch, sein Wachsen,
Handeln, Lernen und Denken sind in der Geschwindigkeit begrenzt.
Schelligkeit ist lebensfeindlich. Ebenso ist Schnelligkeit nicht
das Merkmal einer lebendigen politischen Demokratie.
Wer trägt also die Verantwortung für das rasante Auseinanderdriften
der realen und der virtuellen Welt? Die Manager, die gern mit
der Beschleunigung des Wirtschaftlebens kokettieren, wie etwa
Swisscom-Direktor Toni Rais, der den Leitsatz prägte: «Schnelligkeit
statt Perfektion». Oder ABB-Boss Percy Barnevik, dem der oft zitierten
Ausspruch zugeschrieben wird, ihm genüge, wenn seine Manager in
70 Prozent der Fälle richtig entscheiden, wenn sie nur schnell
entscheiden? Oder Politiker wie der Zürcher Regierungsrat Ernst
Buschor, der seine Reformen im Bildungswesen begründet mit: «Schneller
Wandel zwingt zu schnellen Reformen»? Das Rezept, den schnellen
Wandel mit Schnelligkeit in Griff zu bekommen, muss jedoch zwangsläufig
in die Sackgasse führen. Denn die reale Welt bleibt langsam. Einen
klaren Kopf im allgemeinen Geschwindigkeitsrausch hat vielleicht
noch Hansueli Loosli behalten, der Coop ohne Entlassungen restrukturieren
will. Gefragt «Wie?» antwortete er einem Reporter: «Indem wir
uns Zeit nehmen.»
Der flexible Mensch
Die Beschleunigung der virtuellen Welt betrachte ich als eines
der grossen sozialen Probleme unserer Zeit. Den Beruf als lebenslange
Identität des arbeitenden Menschen gibt es nicht mehr, der Arbeitsplatz
als fester Teil einer Lebenswelt ist weggefegt von den Sandstürmen
der Information. Zukunft ist «der flexible Mensch», wie ihn der
amerikanische Soziologe Richard Sennett im gleichnamigen Buch
beschreibt. Virtuelle Unternehmen entstehen und verschwinden als
Netzwerke im Cyberspace, der, gemäss Sennett, zu einem «Archipel
verknüpfter Handlungen» wird, das keine Grenzen kennt, kein Arbeitsrecht,
keine Verantwortung, und das niemand mehr durchschaut. Arbeitnehmer
werden zu sogenannten «Lebensunternehmern», die keinen festen
Arbeitsplatz, sondern flexible Jobs haben – die Begriffe beginnen
sich wie in Orwells 1984 in ihr Gegenteil zu verkehren. Während
sich gewisse Leute noch immer Unternehmer nennen, obwohl sie nichts
unternehmen, ausser dass sie ihr Vermögen verwalten und vermehren.
Es wächst eine Welt, in der es «nichts Langfristiges mehr gibt»,
wie Sennett schreibt, denn «in einer dynamischen Gesellschaft
ist der Stillstand wie der Tod».
Haves und Have-Nots
Die virtuelle Welt braucht jedoch nach wie vor die reale im Hintergrund,
die Nahrung und Kleidung und Obdach liefert – genau so, wie sich
hinter den potemkinschen Dörfern der Zarin Katharina II die grosse
Armut Russlands versteckte. So weist Theodore Roszak darauf hin,
dass «selbst Computerenthusiasten im Amerika der Hochtechnologie
fürs Überleben dringender den Landarbeiter brauchen, der die Ente
einbringt, und den Bauarbeiter, der die Häuser errichtet, als
den Programmierer oder den Investitionsberater.»
Vom Antagonismus zwischen Arbeiterklasse und Kapital driftet die
Welt somit in einen neuen Antagonismus zwischen «Information-Haves»
und «-Have-Nots». Während das globale Dorf immer reicher wird,
Bill Gates mit 90 Milliarden Dollar Vermögen an der Spitze, wird
sein Hinterhof immer ärmer. Gemäss einem Bericht des Uno Development
Program UNDP besitzen die drei reichsten Männer der Welt so viel
wie die 650 Millionen ärmsten Menschen. Kinderarbeit, Sklavenarbeit,
Billiglohn-Arbeit ohne jede soziale Sicherung sind in vielen Ländern
noch immer die Regel. Die immer engmaschiger vernetzte virtuelle
Welt kennt kein soziales Netz. Laut einem Bericht des Roten Kreuzes
leben heute eine Milliarde Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen
in Slums, viele Millionen in Flüchtlingslagern, wo nicht Glasfaserleitungen
fehlen, sondern sauberes Wasser und Brennholz. Selbst in der reichen
Schweiz leben gemäss einer Nationalfondsstudie 700’000 Menschen
in Armut. Jeder zehnte unserer Mitbürgerinnen und unserer Mitbürger
also. Die meisten verstecken sich, schämen sich, wir haben sie
von den Bildschirmen und aus unserem Bewusstsein verdrängt.
Überleben in der virtuellen Welt
Für die grossen Probleme der Welt sind uns keine Verantwortlichen
mit Namen und Adresse bekannt. Wir nehmen Arbeitslosigkeit, Völkermord
und Hungersnot so naturgegeben hin wie den Wetterbericht oder
die Börsendaten auf dem Bildschirm – oder den Jahrtausend-Computerfehler,
an dem die Branche, die ihn selbst verursacht hat, auch noch tausend
Milliarden Dollar dazuverdient. Wir empfehlen den arbeitenden
und arbeitslosen Menschen ihr Leben zu meistern, indem sie flexibel
werden, lebenslang lernfähig bleiben, selbständig arbeiten, innovativ
denken, geistige und physische Mobilität entwickeln – also genau
jene Eigenschaften, die einst den erfolgreichen Unternehmer auszeichneten.
Mit der Definition solcher «Schlüsselqualifikationen», die das
Überleben in der virtuellen Welt sichern, fällt die Verantwortung
auf den einzelnen arbeitenden Menschen zurück. Schafft er es nicht,
so verstösst ihn das globale Dorf und er endet in seinem Hinterhof.
Verantwortlich ist jeder allein. Dass «augenblickliche Information
tiefgehende Anteilnahme schafft», wie McLuhan versprach, ist Fiktion
geblieben, wie so vieles.
Sehnsucht nach gestern
Wenn ich durch das Dorf meiner Jugend schreite, dann steht dort
kein Unternehmer mehr auf dem Balkon. Dafür zieren Parabolantennen
die Balkone vieler Häuser. Die Besitzer und die Verantwortlichen
sind verschwunden, ebenso wie die Fabrik, die einst ein Brandstifter
angezündet hat. Man wählt hier mehrheitlich eine politische Partei,
die geführt wird von Superreichen, welche man nicht persönlich,
sondern durch ihre Medienauftritte kennt, bei denen sie die Welt
von gestern beschwören, die gute alte Zeit, als alles noch aussah
wie auf Bildern von Albert Anker und Kirche und Fabrik noch im
Dorf standen. Die mit der nostalgischen Sehnsucht der Menschen
nach stabilen Verhältnissen und klar geregelter Verantwortung
Politik machen – und gleichzeitig ihr Vermögen mit Investitionen
und Transaktionen auf den globalen Märkten vermehren. Die unablässig
das Wort Verantwortung im Mund führen und trotzdem verantwortungslos
handeln. |
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