Computermuseum


Rätselhafte Geschichte: Wer ist der Computerpionier?

Computer haben nicht nur Zukunft, sondern auch Vergangenheit.
Bei mir erwachte das Interesse an ihrer Geschichte an einem langweiligen
Wochenende auf einer Dienstreise als junger IBMer. Im Science
Museum von Birmingham.stand ich vor einem mit Lochkarten gesteuerten
Webstuhl, der ganz aus Holz und Hanfschnüren gefertigt war. Ich
begriff, dass Jean Marie Jacquard schon 1802 das digitale Prinzip
angewandt hatte, das wir als letzten Schrei verkauften. Die grossen
Ideen, so lernte ich, sind nicht an eine bestimmte Technologie
gebunden. Digitale Automaten sind aus Holz, aus Eisen, aus Papier
so gut wie aus Silizium gebaut worden. Aus der Geschichte, so
sagen Geschichtslehrer, könne man lernen. Etwas salopp zusammengefasst
habe ich aus der Geschichte der Informatik unter anderem gelernt,
dass die grossen Geister zwar die Ideen hatten, aber das Geschäft
dann stets die guten Verkäufer machten, die heute jeder kennt,
während die Pioniere Stoff für die Museen und eine halbe Stunde
im Computerkurs liefern.

Oder irre ich mich? Kennen Sie den Computerpionier, von dem ich
Ihnen hier berichte? Er hat zeitlebens um Anerkennung gekämpft
und ebenso um die Finanzierung der automatischen Rechner, die
er erfand und baute. Er starb mit über achtzig, rüstig und tätig
bis zum Schluss. Über den kommerziellen Erfolg, der ausblieb,
trösteten ihn vielleicht die zahleichen akademische Würden hinweg
In seiner Heimat gilt er heute als «Vater des Computers». Seine
erste Kreation, ein vollständig mechanischer Rechner, ein Wunderwerk
der Präzision, ist das Schaustück eines Museums in der Hauptstadt.
Allerdings handelt es sich nicht um das Oringinal, denn das hat
er nie vollendet, es ist eine Rekonstruktion, aus unzähligen,
hochpräzisen Bestandteilen zusammengesetzt. Angetrieben von einer
Handkurbel berechnet sie geheimnisvoll klappernd komplizierte
mathematische Funktionen. Die Maschine wurde vor wenigen Jahren
eingeweiht, anlässlich eines runden Geburtstages ihres geistigen
Vaters, für den sie ein Denkmal ist und der funtionierende Beweis,
dass seine Ideen richtig waren und seiner Zeit weit voraus. Sein
Name war schon fast vergessen, als während dem Computerboom der
achtziger Jahre das Interesse an der Geschichte wieder erwachte.

Sein Ziel war nicht der Bau eines Universalcomputers nach heutigem
Begriff, er wollte lediglich den Ingenieuren und Wissenschaftlern
ein Werkzeug in die Hand geben, das ihnen die notwendigen Zahlen
schneller und vor allem auch genauer liefern würde. Die Regierung
seines Landes ? damals eine Grossmacht ? unterstützte das Projekt
jedoch nur halbherzig, sie erkannte weder den wirtschaftlichen
noch den militärischen Nutzen seiner Erfindungen. In seinen Notizbüchern
entwickelte er schon früh die grundlegenden Idee, dass ein Universalcomputer
aus Rechenwerk, Speicher und Programmsteuerung bestehen muss,
dass Programme bedingte Befehle und sich zyklisch wiederholende
Schleifen haben müssen. Schon bevor seine erste Konstrution vollendet
war, packte er eine neue an, noch fortgeschrittener, noch leistungsfähiger…
Ein unruhiger Geist offenbar und zudem ein Universalgenie, das
sich mit vielen Problemen der Technik, der Wissenschaft, der Gesellschaft
auseinandersetzte. Ein Mensch auch, der sich nicht scheute, selber
an der Werkbank zuzupacken, ein Praktiker und Theoretiker zugleich,
mathematisch beeinflusst von Leibniz.

In vorgerücktem Alter, in ruhigeren Tagen, schrieb er ein autobiografisches
Buch, das nicht nur die Ideengeschichte seiner Maschinen nachzeichnet,
sondern auch von seiner Jugend auf dem Land und seiner Ausbildung
erzählt, und durch Anekdoten den Autor als eigenwilligen und humorvollen
Menschen zeigt.
Haben Sie herausgefunden, um wen es sich handelt? Wann er gelebt
hat, in welchem Land, und in welchem Museum seine Maschine steht?
Ein Tip noch: Es gibt zwei Lösungen.