Was kostet ein Pound? Die Frage könnte auch umgekehrt lauten: Was gibt es dafür? An der Whitechapel Road heisst ein Laden «Poundbusters», bei den Pfundaustreibern kostet alles One Pound, gewiss eine originelle Geschäftsidee. Weisshaarige, ärmlich gekleidete Damen stapfen zwischen den vollgestopften Gestellen durch, begutachten Sonnenbrillen, Lippenstifte, Sägen, Spazierstöcke aus Plastik, Teller, Blumentöpfe und -zwiebeln, Haarspray oder ein Paket Kleiderbügel, alles brauchbar, so nützlich wie unnütz.
Viel gibt es für ein Pound, die mattgoldenen schimmernden Geldstücke rollen leicht von der Hand, die Münze ist von kleinem Durchmesser dafür dick, sehr sympathisch. Wirkt schwer, wertvoll, nicht so billig wie etwa die riesige 50p-Münze oder die eckigen und meist abgegriffenen 20p aus Weissmetall. Das Geldstück ist 1983 eingeführt worden und bekommt alle 12 Monate ein neues Gesicht, mal ist es Britannia, mal das königliche Wappen, dann wieder zieren regionale Motive die Münze. Eine Kommission unter dem Vorsitz von HRH Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, wählt sie aus den Entwürfen von Designern und Künstlern aus. Kein billiges Produkt also, man spürt es, wenn man es in der Hand hält, und doch gibt es eine billige Variante.
20p verlangen Fälscherwerkstätten für die Coins, die von den echten kaum zu unterscheiden sind, nur die Farbe ist etwas heller. 8000 bis 10’000 Stück pro Monat kommen in Verkehr, produziert meist in keinen Werkstätten in alten Landhäusern im Südwesten. Das Problem der Fälscher ist der Absatz solcher Mengen, «Poundbusters» ist eindeutig zu wenig attraktiv im Sortiment. Die Automaten von U-bahn, British Rail und BT sind inzwischen sicher. Hauptumschlagplatz sind jetzt vor allem die vielen Parties der Raver-Szene. Wer dort einen Drink bestellt, in Rauch und Zwielicht, bekifft oder von Eksthasy benebelt, und mit einer Note bezahlt, hat gute Chancen, im Rückgeld einige «Fakes» zu finden. Doch ein Pound ist ein zu kleiner Betrag, um sich gross darum zu scheren. Insgesamt machen die falschen Coins nur ein Prozent des gesamten Fälschervolumens aus. Und eine Sonnenbrille wird man im Poundbusters auch noch für einen Fake bekommen.