Lond-on-line 30.3

Die Teleforechnung ist mir im Traum erschienen, es waren drei Blätter, welche mir unser Hausverwalter David Panton
überreichte, auf dem einen eine Summe von über tausend Pfund.
Ich war geschockt und vielleicht wird der Schock noch real werden,
wenn die Rechnungen nicht nur im Traum erscheinen. Mein Anschluss
läuft «voll Rohr», schliesslich bin ich ein Kind der Kommunikationsgesellschaft.
Obstalden ist gleich nebenan, das Gefühl ist so, als trennte mich
eine Mauer von Chris, nicht eine Distanz von tausend Kilometern.
Gestern stand ihr Computer still, ich stellte Diagnose und Therapie
via Fax, die Sache kam wieder ins Gleis.
Daneben telefonieren wir täglich, hören unsere Stimmen, hie und
da E-mailen wir auch via Internet, doch den Fax ist am praktischsten
und am persönlichsten. Handschrift und Zeichnungen, Gedanken und
Geschichten, Liebesgeflüster, spontan hingeworfen, ein fast erotisches
Medium.

Es ist eine seltsame Distanz und Nähe in dieser Medienwelt. Der
aktuelle Werbespot der British Telecom «Be smart, BT» hat schon
etwas für sich. Mit gewissen Leuten explodieren eigentliche Diskussionsschübe
auf E-mail, andere erzählen mir ihr ganzes Leben in Fortsetzungen,
Klemens habe ich zwei oder drei Geschichten aus meinem Tagebuch
übermittelt, knallhart hat er mir die Schwächen gespiegelt. Gestern
ist auch wieder eine Reportage via Internet abgereist, und auch gleichzeitig aufs Netz, «die
Schublade», wie Klemens sagt.
«Wer liest das Tagebuch?» hat er gefragt. «Mindestens meine Tochter»,
habe ich gesagt. Aber als ich in den letzten Tagen Probleme hatte
mit der Übertragung, meldeten sich zwei Bekannte und fragten nach
der Fortsetzung.

Meine uneingeschränkte Bewunderung gilt nach wie vor Fritjof Nansen.
Er liess sich mit seiner Fram ins Packeis einfrieren, um die Theorie
zu beweisen, dass dass die Polarkappe von Sibirien nach Grönland
driftet, er war jung verheiratet, der Sohn ein Jahr alt. Nach
dreieinhalb Jahren, nach drei Polarnächten, teils unter unvorstellbaren
Bedingungen, kehrte er nachhause. Die ganze Zeit konnte er nicht
einmal einen Brief schreiben an seine geliebte Frau. Auch Reinhold
Messner hat bei seinen modernen «Abenteuern» stets das Satellitentelefon
dabei, damit er auch am Südpol noch seine Bankgeschäfte im Griff
hat. Und ich verzweifle, wenn um neun Uhr nicht schon der erste
Fax meiner Geliebten einfährt.
Die Welt ist klein geworden und mit ihr wir Menschen.

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