Nun habe ich mir einen Block mit liniertem Papier gekauft, der Alptraum ist wahr geworden, es knirschte, wie wenn Sand im
Getriebe wäre, als ich nach dem Mittagessen meinen Laptop aufklappte,
dann war er tot. Nervöses Tastendrücken, Auf- und Zuklappen, nichts
geht mehr. Gestern habe ich die Diskette mit dem korrigierten
Roman zur Post gebracht, wenn es nicht ein Gemeiplatz wäre, müsste
ich ausrufen: Glück im Unglück. An Arbeit ist nicht mehr zu denken,
ich kann weder schreiben noch meine Post lesen noch meine Internet-Seiten
unterhalten, ich kann meine Texte nicht mehr verschicken und auch
keine Faxe per Computer. Totaler Stillstand, Arbeitslosigkeit,
Ferien. Ich beginne zu zittern bei dieser Vorstellung, rufe Chris
sogleich an, doch es meldet sich bloss der Telefonbeantworter.
Plötzlich kann ich mich nicht mehr erinnern, ob die Diskette,
die ich verschickt habe, die einzige Sicherungskopie des Romans
enthält, und die ist nun unterwegs irgendwo mit der unzuverlässigen
Schneckenpost, wo sie jederzeit verloren gehen kann. Totaler Blackout
im Kopf, so sehr ich mein Hirn anstrenge, ich weiss nicht mehr,
ob die zweite Diskette eine aktuelle Kopie enthält, mein Denken
ist wie gelähmt, Panik ergreift mich.
Mr. Kam, der junge indische Techniker im «Apple Center», zeigt
Verständnis. Er hat mich angerufen, zwei Stunden nachdem ich meinen
Laptop hingebracht habe, er funktioniere wieder, ich könne meine
Daten noch sichern kommen, bevor er mit der Reparatur beginne.
Sicher ist sicher, denke ich, dann muss er den Bildschirm auswechseln,
dessen Befestigungsschrauben ausgerissen sind. Zwei Wochen wird
es dauern, bis die Ersatzteile da sind, zwei Wochen Urlaub also,
das ist der Preis der modernen Billigtechnik, den ich bezahle.
Ein hochpotenter Prozessor in einem Gehäuse von der Qualität einer
Spritzpistole aus Plastik. Früher war es umgekehrt, die Gehäuse
stabil, der Inhalt schwach, das Ganze teuer. Der Computer ist
ein Konsumartikel geworden, ex und hopp, und dennoch unentbehrlich,
was ja eigentlich ein Widerspruch ist. Vielleicht ist es halt
wieder einmal das falsche Modell, vielleicht hätte ich nicht meinem
Grundatz zuwider ein neues Modell kaufen sollen, mit allen Schwächen
des Neuen, sondern ein solides, markterprobtes Gerät, aber der
grosse farbige Schirm und der tiefe Preis waren halt verlockend.
Vielleicht hätte ich es nicht so oft auf- und zuklappen dürfen,
das Scharnier machte mir von Anfang an einen windigen Eindruck.
Vielleicht… im Nachhinein ist man immer gescheiter.
Das feine Knirschen hat mich an jenes Knacken im Fussgelenk erinnert,
vor drei Jahren, als ich auf der Galerie ins Seil stürzte, mit dem linken Fuss auf ein Felsband schlug und einen Knöchel
brach. Von einer Sekunde auf die andere hatte sich mein Leben
verändert.
Mr. Kam verspricht, sein Möglichstes zu tun, ich glaube ihm, er
hat sofort angerufen, während mich mein Apple-Händler in der Schweiz
im Stich lässt wegen dem Problem mit dem Drucker. Die Reparaturwerkstatt
befindet sich in einem Hinterhof, Mr. Kam hat mich bei einer lottrigen
Wellblechtür erwartet, in einen mit Kisten und Computern und Kabeln
vollgestopften Schuppen geführt, ein miserabler Arbeitsplatz ohne
Tageslicht, ohne Pflanzen oder Wandschmuck. Die Firma sei jedoch
der drittgrösste Applehändler in UK, sagt Mr. Kam. Wahrscheinlich
verdient er wenig, muss den Frust aller Kunden ertragen und alle
Fehlkonstruktionen des Weltkonzerns ausbaden. Doch er macht einen
kompetenten Eindruck, ist hilfbereit und freundlich.