Lond-on-line 26.6.

Die Rabattmärkli sind auferstanden, meine Mutter brauchte
sich nicht mehr die Zunge zu netzen. Die Sainsbury’s Reward Card sieht aus
wie eine Kreditkarte, am Eingang zum Supermarkt fängt eine Schar von
uniformierten Angestellten die Kundinnen und Kunden ab, Formular ausfüllen
und so weiter, dann gibt es das Plastikplättchen mit dem Magnetstreifen,
das Portmonnaie bläht sich noch dicker. Ich habe genug davon, ich verzichte.
Doch bei der Kasse spricht mich nochmals ein sehr freundlicher junger Schwarzer
an, verlangt regelrecht Auskunft, warum ich denn das Geschenk des Hauses
einfach dem Wind überlasse, immerhin…
«Wieviel gibt es denn?»
«Für 250 Punkte werden Sie mit 2 Pound 50 beloht.»
«Ein Prozent also?»
«Ein Prozent.»
«Ein Prozent ist nichts», sage ich.
Sehr erst schaut mich der junge Mann an, sagt: «Ein Prozent ist etwas.»
Jetzt denke ich wieder an meine Mutter. Wie sie sammelte und klebte und
dann vor Weihnachten Suppenwürfel und einen Schinken abholen konnte
im Konsum. Ich schäme mich ein bisschen und verspreche, zu Hause den
Prospekt zu studieren.

Natürlich ist alles nur Ärger. Ich ärgere mich schon über
das umständliche Kreditkartenprozedere, das den Ablauf an der Kasse
nicht beschleunigt, sondern verzögert. Bis die Karte gelesen, bis unterschrieben
und dann auch noch der sogenannte Cashback ausbezahlt ist, dauert es. In
Zukunft wird also auch noch die Reward Card durch den Schlitz gezogen, und
so weiter. Elektronik macht ja bekanntlich alles einfacher. Und dann sind
in dem Prämiensystem genügend Hürden eingebaut. Man muss
mindestens 5 Pound ausgeben, man muss bis im September mindestens 250 Punkte
haben. Fazit: Am Schluss kommt das vermeintliche Sparen alle teuer zu stehen.
Doch es geht Sainsbury darum, im gnadenlosen Konkurrenzkampf der Supermärkte
einen winzigen Bonus anzubieten, ein harmloses Zückerlein, das die
Leute an den «Home Store» bindet. Die Karte sieht nett aus, man
hat das Gefühl von Wert. Und man gehört dazu. Konkurrent Tesco
drängt den Kunden eine sogenannte Clubkarte auf, das klingt noch exklusiver,
erinnert an die feinen englischen Herrenclubs. Mit der Karte ist man dabei.
Wie damals im Dorfladen, dem Konsum. Die Migros hatte nie Märkli, dafür
billigere Waren, aber irgendwie war es doch nicht dasselbe. Ohne die Märkli
wäre ich eine schöne Erinnerung an die Mutter ärmer, noch
heute sehe ich sie vor mir, wie sie sammelte, zählte, klebte, sich
freute.

Also ich kam mir fast ein bisschen schäbig vor, vor dem Jungen, der
seine Arbeit wirklich ernst nahm, der mich überzeugen wollte, obwohl
er selber dann doch zugab, dass man vielleicht lieber billiger einkaufen
würde. Ein Prozent, das spürt niemand beim täglichen Einkauf,
eine Karte jedoch, die sieht man, die hat man, die bindet und verbindet.

Sehr geschätzt werden die Kundenkarten auch von Leuten, welche zuhause
ein Programmiergerät haben und damit aus Sainsburys Reward Cards und
Tesco Clubcards echte Kreditkarten zaubern können. Sie brauchen dazu
nur die Informationen von gültigen Kreditkarten, aber die sind offenbar
zu beschaffen, zum Beispiel ab Internet, wo auch die Software abgeholt werden
kann. Ein Programmiergerät kostet 700 Pound – ohne Rabatt.

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