Lond-on-line 24.5.

Die Käseraffel liegt auf dem Meeresboden, über den er schwebt, getragen von wellenartig brandender Musik, draussen der Kanal aus der Industriezeit und drinnen ein weisser Raum, eine schwarze Gestalt, die auf ihn zukommt, die Hand reicht, dann schäumen Wellen und ein Arm fährt durch phosphoreszierendes Wasser, der Kulturattaché stellt ihn der Direktorin vor, grüssen und nicken und fragen und peinliches Schweigen und Smalltalk, in dem alten Lagerhaus aus braunem Backstein, schwarze Schatten vor dem Projektor, auf die Wand geworfen als wären sie Teil des Kunstwerks, das über die weisse Wand wellt und spiegelbildlich über die im Winkel von neunzig Grad dazu stossende Wand, also zwei Raffeln auf dem Meeresboden, zwei Arme im Wasser, zwei Muscheln, zwei Fernsehapparate, die davonschweben, zwei schwülstig küssende Lippen und zwei weibliche Venusberge, behaart und die Scham von einer Weltkugel verdeckt, und alles umspült von lauem, klarem, schwerem Wasser, während der Kanal schmutzig und braun und stinkend vorbeidümpelt und die Backsteinmauern von hundertjährigem Dreck verklebt und verkleistert sind und irgenwo ein Gerüst steht und ein rostiges Fahrrad an eine Zaun gekettet ist und dann der Botschafter begrüsst wird, drinnen im düstere Weiss, und den Sponsoren gedankt wird, der Bank, und die Musik in samtenen Wellen wellt und eine Dame vor ihn hintritt und sich dreht und ihm die Sicht verstellt auf das wellende und wogende und wunderschöne Kunstwerk auf den Wänden, spiegelbildlich projiziert und sich irgenwann wiederholend, das schon niemand mehr betrachtet, das sich wiederholt wie die Wellen, und irgendwann schäumend und irgenwann Perlenketten bildend, die sich auflösen und eine Puppe und eine Schaufel und eine Muschel und eine Weltkugel und eine Taucherbrille, während er sich am Bierglas festhält wie an einem Rettungsanker, und die Stimmen der hereinbrandenden Menschen sich steigern zu wellendem, wogendem, schreiendem Lärm, und das wellende, wogende Bild an der Wand verstellt wird von den schwarzen Gestalten im düsteren Raum, der irgendwo ist, nur nicht hier und nicht jetzt, der zeitlos ist und raumlos und in der düsteren, armen Umgebung schwebt wie ein kubischer Ballon mit weisser Innenhaut und brauner Hülle, auf der Jahrhundertstaub lagert und Schweiss und Blut und Tränen des Krieges, der diese Gegend heimgesucht hat, und der jetzt verdrängt wird durch das Weiss der Wände und das Bunt der Filme und das Küssen der Menschen und das Bier und den Weisswein und den Orangensaft und den Champagner und die winzigen, liebevoll hergerichteten und garnierten Brötchen, Lachs, Gurke, Ei, Schinken, Majonnaise, die ein schweigender Mensch reicht, und die wogenden Farben, die sich spiegeln auf den Glatzköpfen, und er steht da und hält sich am Glas und rettet sich ins Schweigen, und starrt in die Menge der schwarzen Gestalten und der polierten Glatzen und hört den Lärm der Stimmen und sieht das Wogen und das Flimmern und wandert dann allmählich zum Ausgang und begegnet einen schrecklich verkrümmten Menschen, der sich durch die Tür in den weissen Raum müht und verweilt ein paar Minuten unentschlossen an einer Theke, greift nach einer Broschüre, schlägt sie auf, betrachtet die bunten Bilder und die blonde und buntgekleidete Künstlerin, die sich in Pose wirft, und liest einen halben Satz: «…die Welt soll ein friedliches Happening sein…», und geht.

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