Kreatives Schreiben scheint auch hier kein Renner zu sein, der Kurs, den ich in der City University, einer Erwachsenenbildungsschule, gebucht habe, ist abgesagt. Dabei habe ich mich gefreut und auch gebibbert. Weit über hundert Kurse mit demselben Titel habe ich selber erteilt, die Gelegenheit, mich als mässig Sprachmächtiger zu erleben, ist mir vorerst versagt. Geschwitzt habe ich schon im voraus. Mit Metaphern hätte man arbeiten müssen, stand im Programm. In Deutsch, gut, aber in Englisch? Wie kommt das heraus? «Time will tell», sagte ich mir, die Metapher hat mir mein Englischlehrer erklärt, ich finde sie schön. Sie hat Rhythmus und Klang, ist klar und schwebt doch so geheimnisvoll dahin. Die Zeit wird es sagen, doch die Zeit ist ja stumm, was ist überhaupt Zeit? Stephen Hawkings, der geniale und schwerstbehinderte englische Astrophysiker hat ein Buch über die Zeit geschrieben. Im Weltraum wispert und flüstert die Zeit in Form von elektromagnetischen Schwingungen, die sogar noch Echos des Urknalls sind. Man muss sich das vorstellen, die Zeit, die da hallt in der Unendlichkeit wie das Alphorn im Gebirg. Vielleicht war das jetzt kreativ, aber jedefalls deutsch, und ob ich das englisch hingebogen hätte, ist eine andere Frage. Der Kurs ist abgesagt.
Wobei Schreiben als Hobby, als Neben- und engagierte Beschäftigung hier offenbar immer noch verbreiteter ist als bei uns, siehe Piccadilly Poets. Literarische Wettbewerbe gibt es immer wieder, einen Haiku-Wettbewerb und die «London Writers Competition». Man zahlt zwei Pound pro Gedicht, vier Pound pro Kurzgeschichte, die man einreicht. Der erste Preis von 600 Pound würde bei uns die Profis wohl nicht aus den Löchern locken. (Beim 1. Internet-Literaturwettbewerb, bei dem ich eben eine Arbeit eingereicht habe, ist der erste Preis immerhin 10’000 Mark.) Kurz und gut: Englische Schreiber sind Idealisten, wir, man weiss es ja, Materialisten. Wir denken bei jeder Metapher, die wir kreieren, schon an den Preis. Die Schreibmaschinenseite gilt so um die 200 Franken, je nach Medium und Name.
«Make money writing and earn while you learn», lese ich jedoch im Inserat einer «Freepost» Schreibschule auf der Frontseite des Independent. Hoffentlich hält der Reim, was er verspricht, nämlich, dass die Schule das Kursgeld rückerstattet, falls es der Kursteilnehmer oder die -in nicht während der Kursdauer mit Schreibhonoraren wieder einspielt. Das nenne ich mutig, sollte eigentlich jede Schule nachmachen! Geld ist also auch bei den angelsächsischen AutorInnen ein Thema, beruhigt lehne ich mich zurück. (Nur der Internet-Schriftsteller arbeitet für Gottes Lohn, Strohhalm ist der Wettbewerb.) In den USA, wo die Gestelle der Buchhandlungen bersten unter der Fachliteratur für kreative, fiktionale, dokumentarische, journalistische, kriminalistische, dramatische und wasimmerauchfür SchreiberInnen, fehlt in keinem Werk ein Kapitel: How to sell! Da rümpfen die Deutschen Dichter die Nase, von den Vorschüssen, die hier den Bestsellerautoren gezahlt werden, kann allerdings auch ein Simmel nur träumen.
Vielleicht ist es halt doch wie im Sport: Nur die breite Basis lässt eine starke Spitze wachsen. In den USA ist kreatives Schreiben Schulfach, Kurse, Bücher und Zeitschriften wie «The Writer» ermutigen die Schreiblustigen, die Anfänger, die Hobbyisten, die Deftigen, welche den ultimativen Krimi im Kopf haben, aber noch nicht im Speicher, und die Zarten, welche am Mutterkomplex arbeiten. Gewiss hätte ich auch noch etwas gelernt, vielleicht sogar «How to sell». Eventuell gibt es ja auch Platz in einem andern Kurs. Schreiben heisst ja letztlich, die Hoffnung nie aufgeben.