Lond-on-line 20.3.

Der Schwarze mit der schwarzen Lederkappe beginnt zu schreien, fünf Bengalibuben schlendern nebeneinander durch die Fournierstreet, die alte Seidenweberstrasse der Hugenotten, es ist Abend. «Maul halten, Scheisskerle!» Immer wieder brüllt der Schwarze, der aggressiv ausschreitet, sich rasch den Buben nähert, die schwatzen und lachen und sich nicht umdrehen. Bei der Christ Church holt er sie ein, stösst zwei beiseite, sie wehren sich nicht, einem dritten schlägt er die Faust auf den Kopf. Er eilt weiter, quer über den Platz vor der Kirche, die Buben spazieren weiter als sei nichts geschehen. Rassismus im Alltag. Nicht mehr so dramatisch wie in den siebziger Jahren, als es in Spitalfields eigentlichen Pogrome gegen Bengali und Inder gegeben hatte.

Tower Hamlets Verwaltung hat eine Datenbank eingerichtet, in der rassistische Vorfälle dokumentiert werden, im ersten Jahr sind zwanzig Täter registriert worden. Womit wohl wieder einmal die alte Regel bestätigt ist: Wenn man nicht weiss, was tun, richtet man eine Datenbank ein. «Es ist wichtig, dass wir ein Zentrum haben, von welchem aus wir unsere Anstrengungen koordinieren können, um mit dem Rassismus im Borough fertig zu werden», sagt Phil Maxwell, verantwortlich für den Wohnbau im Counsel.

Aber verteilen wir doch den Rassismus gerecht auf alle Seiten. Ibrahim Sey, in Ghana geboren und im East End wohnhaft, wurde kürzlich von der Polizei verhaftet, weil er frühmorgens auf der Strasse lautstark mit seiner Frau zankte, auf dem Revier starb der Herzkranke, nachdem ihn die Bobbys mit dem umstrittenen CS-Spray traktiert hatten, der eigentlich ihrem persönlichen Schutz dienen sollte. Dass ihre Namen im Rassismuscomputer gespeichert werden, ist doch eher unwahrscheinlich.

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