Lond-on-line 17.6.

Die Hitze schlägt mit Hämmern auf die kahlen Schädel,
die Haartracht des Neuen Mannes ist dem gegewärtigen Klima nicht angepasst,
das heisst, die Haaruntracht, die Kahlrasur. In Neuseeland werden Tiere
mit heller Haut jetzt tätowiert, dunkle ist weniger anfällig für
Hautkrebs. Bald werden die Yuppies wohl auch ihre Kopfhaut einfärben,
wenn die Mode wechselt, sieht man es ja dann nicht mehr. Der Appell der
Regierung, das Auto zu Hause zu lassen, ist ziemlich wirkungslos verpufft,
obwohl sich auch der gewichtige Luciano Pavarotti auf dem Fahrrad hat ablichten
lassen, er muss scheints abspecken.

Jetzt lastet eine bläuliche Wolke über der Stadt, es gibt Leute,
die mit einem Tuch vor dem Mund herumlaufen, Velofahrer tragen Gasmasken.
Erst rund ein Viertel aller Autos sind mit Katalysatoren ausgerüstet,
die Liberaldemokraten nutzen die Hitzewelle um ein neues Umweltprogramm
anzukündigen. Das Lieblingsthema von Bundesrätin Dreifuss, die
CO2-Abgabe, kommt auch hier aufs Tapet. Man ist schliesslich auch näher
am Pol und somit näher am Ozonloch. In der Zeitung zeigen sie einen
Buben, sieben Monate alt, der nach vierzig Minuten an der Sonne ein Gesicht
hat wie ein verbrannter Cervelat. Der Teer schmilzt im Soho, die schwarzen
Abfallsäcke, hoch aufgetürmt, die man sonst ausblendet, stinken
zum Himmel. Vor den Pubs stehen die Angestellten mit den dicken Biergläsern
in der Hand auf dem Trottoir, die Kravatte locker, in jedem Schattenwinkel
liegen Boys oder Girls und schlabbern Eiscreme. Nur auf der Treppe zur U-bahn
hockt ein Drögeler im Schlafsack und zittert, als ob er friere.

Allmählich werde ich stadtmüde, es zieht mich nirgends mehr hin,
ich habe die glühende Metropolis satt, fahre nach Hause, sitze vor
den Computer und entschwinde im kühlen Cyberspace. Doch da macht mich
eine neue Software verrückt. An der Internet-Messe ist sie vorgestellt
worden, Produkt einer bekannten Firma, die ultimative Lösung zum Gestalten
von Internet-Seiten. Ja, genau das, was ich brauche. Natürlich funktioniert
vieles wieder nur halb oder gar nicht, zum Beispiel das Aufbauen von Tabellen,
genau das, was ich brauche. Ich bastle wieder stundenlang, bis ich das Programm
einigermassen im Griff habe. Und dann merke ich plötzlich, dass in
einem Text ein beträchtlicher Teil fehlt. Bin ich vor Hitze eingenickt
und auf die Löschtaste gefallen? Mitnichten. Nach einem Apostroph vergisst
die gute Software einfach den Rest des Abschnittes. Drucken kann ich auch
nicht richtig, dazu muss ich das alte Programm benutzen. Klar, die nächste
Version wird besser sein, die übernächste schon fast perfekt und
Version 6.0 grandios, allerdings so viel Platz brauchen und so langsam sein,
dass ich einen neuen Compter kaufen muss. Schon die jetzige Ausgabe füllt
fast den ganzen Speicher und kann herzlich wenig. Die Sache hat eine einzige
gute Seite: Ich habe das Programm kopiert, nicht gekauft. Wenn es dereinst
brauchbar ist, werde ich mir eine legale Version erwerben.

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