Lond-on-line 15.3.

Der verschmähte Pfadfinder lud vier Maschinenpistolen und marschierte in eine Schule, drei Minuten später waren 16 Erstklässer tot und ebenso ihre Lehrerin, elf andere Kinder und Lehrerinnen verwundet. Heute beten die Schulen im ganzen Land, das gelähmt ist vom Schock, und der Parlamentsbetrieb ruht.

George Hamilton liebte Buben, man wusste es, seine Wohnung hatte er mit Fotos tapeziert. Er bezeichnete sich als «freischaffender Fotograf». Die Polizei wusste auch, dass er Waffen besass und dass er vor zwanzig Jahren als Pfadfinderführer abgesetzt worden war, wegen «unpassendem Benehmen». Hamilton war 45, ein unauffälliger, arbeitsloser Einzelgänger, der in dem unauffälligen schottischen Dunblane in einer schäbigen Dreizimmerwohnung lebte. Er konnte den Leuten nicht in die Augen schauen, wenn er sprach, man munkelte über Dinge, die anlässlich eines Jugendlagers geschehen waren. Doch der Pfarrer war auch dabeigewesen und hatte nichts bemerkt. Eine Dorfgeschichte also.

Letzte Woche hatte Hamilton der Queen einen Brief geschrieben und sich wieder einmal über seinen Rausschmiss bei den Pfadfindern beklagt, er sei das Opfer von «Rache». Nun hat er selber Rache genommen. Die Psychologen halten für solche schrecklichen Ereignisse drei Kategorien bereit, und für jede wiederum Unterabteilungen, aber sie haben sich noch nicht entschieden. Ist Hamilton ein Massenmörder, ein Lustmörder oder ein Serienkiller? Er soll die Schüler regelrecht durch die Turnhalle gejagt haben, wo das Drama seinen Lauf nahm, alle hatten Kopfschüsse, auch die Lehrerin Gwenne Mayor, die sich vor ihre Erstklässler stellte, wie man vermutet. Nach seiner Vendetta knallte sich Hamilton den Kopf mit einer Pistole weg.

Nach dem Beten, der religiösen und psychologischen Verarbeitung des Schreckens wird man in Grossbritannien die Zäune um die Schulen noch höher ziehen, als sie schon sind, noch mehr Videokameras installieren, noch mehr Sicherheitsleute einstellen. «My home is my castle.» Die Bunkermentalität wird sich noch tiefer in diese Gesellschaft graben. Und die, die ausserhalb der Mauern leben, werden noch härter zurückschlagen. So war es ja auch schon im Mittelalter.
George Hamilton wird nicht als grösster Massenmörder Englands im Guiness Buch der Rekorde enden: John Tompson brachte es auf 37 Opfer, als er «The Spanish Club» in London anzündete, weil man ihm zuviel verlangt hatte für ein Cola mit Rum. Mary Ann Cotton vergiftete 20 Menschen mit Arsen, inklusive ihre drei Ehemänner. Sie wurde 1873 gehängt. Nummer vier ist Michael Ryan, der 1987 im Hungerford Massaker 16 Leute erschoss, Nummer fünf der Yorkshire Ripper, 13 Opfer, Nummer sechs Fred West, mindestens 12. Jack The Ripper erscheint schon gar nicht mehr in der Statistik des Horrors.

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