Lond-on-line 10.6.

Schad, dass man Feldermäuse nicht essen kann, die britische Regierung hätte sonst guten Grund, einen Bat Ban zu erlassen, als Rache für den nach wie vor harten Beef Ban der Europäischen Union gegen das Rind und seine Produkte. Jetzt muss England halt in Brüssel Obstruktion betreiben, Entscheide per Veto sabotieren, Sitzungen boykottieren und so ein bisschen Schreibtischkrieg spielen. Ein Bat Ban wäre wirkungsvoller, doch eben, der Mensch isst keine Fledermaus.

Halten wir uns doch zuerst an die Fakten, nicht an die Fantasien. Sheila Wright aus Newhaven, East Sussex, im neunten Monat schwanger, ist von einer winzigen Daubenton Fledermaus gebissen worden, die des Fliegens nicht mehr mächtig, erschöpft an einer Hauswand hing. Ebenfalls einen Biss bekam eine zweite Fledermausretterin ab. Dann stellte man fest, die Fledermaus ist mit Tollwut infiziert.

Nach den wahnsinnigen Rindern bedrohen uns nun also auch die tollwütigen Fledermäuse. Krieg der Tiere gegen den Menschen? Vielleicht, doch da nun einmal primär der Mensch des Menschen Feind ist, muss die Schuld in seinen Reihen gefunden werden. Die Tollwut der Fledermäuse kommt eindeutig vom Kontinent, wo sie, wie meine Zeitung schreibt, weit verbreitet sei. Zwei Menschen sind ihr schon zum Opfer gefallen, während hierzulande der letzte Tollwuttote ins Jahr 1902 datiert. Der Kanaltunnel musste auf Wunsch der Briten mit diversen Schutzsystemen versehen werden, damit keine tollwütigen Hunde oder Füchse durchschlüpfen können. Dadurch sind natürlich die Kosten des Projekts erhöht worden, aber da Eurotunnel gegenwärtig die Gesellschaft mit dem grössten je in England festgestellten Verlust ist, fallen die Fuchs- und Hundefallen in der Jahresrechnung nicht besonders ins Gewicht.

Ist also die acht Gramm schwere Fledermaus, die 30 Jahre alt werden kann, unten durchgeflogen? Nein, vermuten die Experten. Sie kam wahrscheinlich per Schiff, wurde allenfalls vom Winde verweht. Dass die vom Kontinent importierte Tollwut gerade jetzt, im Krieg gegen den Beef Ban, eine «starke politische Symbolik» hat, wie meine Zeitung schreibt, liegt ja wohl auf der Hand. Genüsslich erinnert der Independent an den ersten Fall von Tollwut bei einem Hund, der nach 50 Jahren Ruhe 1969 in Camberley, Surrey, auftrat. Der Hund hiess nämlich Fritz. Nomen est Omen, die Deutschen (Schimpfname Fritz) sind die härtesten Kämpfer gegen das britische Rind. An vorderster Front steht der deutsche Landwirtschaftskommissar der EG, Franz Fischler. Wann, so fragen wir uns, werden auch die Fische zubeissen?

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