Auch die englichen Bergsteiger sind keine besseren Menschen,
mit Seilbrücken haben sie die Eiche geentert, auf der die Frau sitzt.
Der behelmte Kletterer kämpft mit ihr, fesselt sie mit einem Seil um
die Taille, dann bricht der Ast, auf dem sie sitzen, beide stürzen
in die Tiefe. Kurz über dem Boden spannt sich das Seil, Glück
gehabt. Die Gewalt ist legal, die Sheffielder Kletterer, die sich für
das Vertreiben der Besetzer des Newbury Bypass anheuern liessen, werden
nicht vor Gericht kommen wegen Körperverletzung, sondern fürstlich
entlohnt. 25 Pound die Stunde, Zehnstundentag, Spesen im Hotel. Die 600
«gewöhnlichen» Sicherheitsleute vor Ort verdienen nur 4 Pound
in der Stunde, obwohl ihr Job ja auch nicht ungefährlich ist.
Der bekannte Alpinist und Publizist Jim Perrin beschreibt im Magazin «Climber»,
was andere Medien verschweigen. Er ruft die englischen Kletterer auf, die
«Judasse» aus der Kletterszene auszustossen, zu isolieren, zu
verachten. «Ich zögere, diese Leute Bergsteiger zu nennen, denn
ich meine, ein Kletterer muss nicht nur fähig sein, auf Felsen zu steigen
und Seile zu handhaben, sondern auch Verantwortung gegenüber der Umwelt
zu übernehmen, er muss Respekt vor der Natur haben.» Einem der
Protestierer gegen die Autostrasse um Newbury brachen die Kletterer ein
Bein.
Es waren exzellente Bergsteiger, welche sich von der Chesterfielder Firma
Richard Turner Ltd. für die schmutzige Arbeit anheuern liessen, Erstbesteiger,
grosse Namen der Szene darunter. Ben Moon, einer der grössten, stand
auf der andern Seite, bei den «Freunden der Erde», die seit Monaten
auf den Bäumen kampierten, um die Zerstörung von einem der schönsten
Wälder Englands durch eine Umfahrungsstrasse, Kosten 101 Millionen,
zu verhindern. Das «Vertreibungsprogramm» kostete bereits 2,6
Millionen. Auf der Seite der Besetzer stehen wohl die meisten Bergsteiger,
in der Kletterhalle hängt ein Flugblatt, die Freunde der Erde suchen
Unterstützung und Material, zum Beispiel alte Seile.
«Haben die Kletterer nicht das Recht, ihren Lebensunterhalt zu verdienen,
wie sie wollen?» fragt jemand. «Nein!» sagt Perrin. «Ihre
Fähigkeiten haben sie von unserer Gemeinschaft erworben. Und nun zerstören
sie mit ihrem Einsatz die Glaubwürdigkeit aller Bergsteiger.»
Der Einsatz vieler Alpinisten zur Erhaltung der Umwelt sei damit gefährdet.
Peinlich ist natürlich der Fact, dass die Kletter-Judasse ausschliesslich
aus der Sheffielder Szene stammen, die im Peak Distrikt jeden Bohrhaken
unerbittlich verfolgt und für «natural protection» der Routen
auf die Barrikaden steigt. Ihr Gritstone ist ihnen heilig, wer einen Haken
bohrt, dem drohen sie, den Schwanz abzuschneiden. Aber Newbury liegt weit
weg im Süden, Richard Turner bezahlt fürstlich und die Presse
wird ferngehalten. Das Geld, das sie verdienten, vergleicht Jim Perrin mit
den Silberlingen des Judas. «Und wenn es weg ist, denk daran, als er
mit dem, was er tat, konfrontiert wurde, hatte auch Judas ein Seil…»