EB Zürich

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Ob im Nebenberuf oder für Quereinsteigende, der 17. Lehrgang für Journalisten an der EB Zürich ist vorerst der letzte. Schriftsteller und EB-Kursleiter Emil Zopfi schildert seine Sicht dazu.

Emil Zopfi, mit dem 17. Lehrgang geht ein Lehrgang an der EB Zürich zu Ende, den Sie ins Leben gerufen haben. Was für Gedanken weckt das in Ihnen?

Wenn die Kinder 17 Jahre alt sind, muss man sie allmählich loslassen. So ist es auch mit diesem Lehrgang, obschon ich ihn schon längst losgelassen habe. Ich leitete lediglich den ersten, dritten und fünften Lehrgang selber. Ausgabe zwei, vier, sechs und einige weitere leitete Guntram Rehsche. Er war Mitgründer dieses Lehrgangs. In mehreren der folgenden Lehrgänge unterrichtete ich noch Kreatives Schreiben und Reportage.

Seit 12 Jahren bin ich nicht mehr fest an der EB angestellt. Grundsätzlich finde ich es aber schade, dass der Kurs „Journalismus für Quereinsteigende“ nicht mehr zustande kommt.

Wie kamen Sie dazu, damals diesen Kurs anzubieten?

Bei einem Spaziergang mit meiner Frau, ich weiss noch genau an welcher Stelle, kam mir der Gedanke, für nebenberuflich tätige Redaktorinnen und Journalistinnen, wie sie es zu jener Zeit war, eine Weiterbildung ins Leben zu rufen. Um auf Nummer Sicher zu gehen, liess die EB ein Gutachten und ein Grundkonzept durch den bekannten Zürcher Journalisten Jürg Frischknecht erstellen. Darauf abgestützt schrieben wir den Lehrgang im Programm der EB aus.

Wie war der Erfolg?

Überwältigend. 70 Anmeldungen trafen ein, wir konnten nur gerade siebzehn Leute aufnehmen.

Sie hatten die Qual der Wahl. Nach welchen Kriterien wählten Sie aus?

Unsere Philosophie war es, Journalisten und Redaktorinnen, die eine professionelle Ausbildung anstrebten, ans MAZ zu schicken. Unser Angebot richtete sich an Frauen und Männer, welche ihre journalistische Tätigkeit nebenberuflich ausübten. Wir setzten aber auch ein bestehendes Arbeitsfeld voraus, verlangten Textproben. Mehrere Interessent/-innen mussten wir auf die folgenden Lehrgänge vertrösten.

Journalismus hat zwar eine lange Tradition, aber das MAZ war die erste Institution in der Schweiz, die Journalismus-Lehrgänge anbot. War das neue Angebot der EB nicht eine Konkurrenz?

Wir hatten ein anderes Zielpublikum, aber die Medien-Gewerkschaften sahen das trotzdem nicht gerne und taten dies auch öffentlich kund. Nachdem wir ihnen aber die Vorteile von besser ausgebildeten nebenberuflich tätigen Journalisten und Journalistinnen darlegten, hatten wir sie auf unserer Seite.

In den letzten Jahren ging der Trend dahin, dass der Frauenanteil im Verhältnis zu den Männern immer grösser wurde. War das in den Anfangszeiten auch so?

 Zu Beginn waren die Kurse ziemlich ausgewogen besetzt, wenn ich mich richtig erinnere.

Worin sehen Sie den Grund für das Ende dieses Lehrganges?

Ich denke, dass die härteren Arbeitsbedingungen für Freie den Hauptgrund darstellen. Der finanzielle Druck, dem die Zeitungen ausgesetzt sind, wälzt sich auch auf die Journalisten ab und so wird immer spärlicher berichtet und bezahlt.

Zudem bietet heute auch das MAZ modulare Kurse an, die für Freie sehr interessant sind. Für Profis bietet die Fachhochschule Winterthur eine weitere Möglichkeit.

Eine Rolle spielt wohl auch der Preis: Heute kostet der Lehrgang etwa fünfmal mehr als vor 17 Jahren.

Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass nach wie vor ein Bedürfnis für die Weiterbildung von Teilzeit-Journalist/-innen vorhanden ist. Wenn ich Lokalzeitungen lesen, denke ich oft, die Autoren und Autorinnen hätten im Lehrgang der EB noch viel lernen können.

Sehen Sie eine Alternative zu diesem Kurs?

In den Anfangszeiten führten wir den Nachfolgekurs „Journalistische Textwerkstatt“, zum Teil mit prominenten Referenten wie Klaus Vieli, dem späteren Leiter von 10 vor 10. Diesen setzten wir aber im Laufe der Zeit wieder ab. Aus welchen Gründen genau, weiss ich nicht mehr. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dies bei Bedarf absolut wieder machbar wäre.

Der 17. Lehrgang wurde noch unter dem Titel „Journalismus im Nebenberuf“ ausgeschrieben. Nun wurde er umbenannt in „Journalismus für Quereinsteigende“. Spricht das dieselben Leute an?

Vor 17 Jahren definierten wir, dass dieser Lehrgang für Journalisten ist, die den Job neben einem andern Beruf ausüben, deshalb die Bezeichnung „im Nebenberuf“. Wenn nun von Quereinsteigenden die Rede ist, könnte es sein, dass sich Leute angesprochen fühlen, die voll in den Journalismus einsteigen möchten. Es ist also zum Teil ein anderes Zielpublikum angesprochen. Ob dies aber der Grund für fehlende Anmeldungen ist, kann ich nicht sagen.

Anlass für dieses Interview ist die Aktionszeitung. Stammt diese Zeitung auch aus Ihrer Ideenkiste?

Ja, die Aktionszeitung gibt es seit der ersten Stunde. Gemeinsam mit Jürg Frischknecht gestalteten wir sie schon im ersten Lehrgang. Das damalige Projekt der Gleisüberdeckung Wiedikon war das Thema, inzwischen ist das ja längst realisiert. Es war eine lustige Zeit. Die ersten Ausgaben war noch geklebt und mit viel Handarbeit verbunden. Das professionelle Layout kam erst später hinzu.

Die ersten zwölf Hauszeitungen hingegen waren als eigenständige Kurse ausgeschrieben. Unter dem Titel „Wir machen eine Hauszeitung“ konnten die Teilnehmenden ein Layoutprogramm lernen, Texte verfassen und eine Zeitschrift von A bis Z produzieren. Also „Learning by doing“ mit hohem Anspruch, aber meist auch gutem Lernerfolg.

(2006)